Erst prüfen, dann bauen
Bevor Sie für ein neues Google-Suchformat Entwicklungsbudget freigeben, klären Sie, ob Ihr Unternehmen überhaupt infrage kommt - und über welchen Weg. Je nach Format geht es um eine Zulassung als Vergleichsdienst mit Datenanbindung, um crawlbare Website-Inhalte, um ein Interessenformular oder um strukturiertes Markup. Eine pauschale Anforderung wie „Wir brauchen jetzt einen neuen Feed" greift deshalb zu kurz.
Was im September tatsächlich neu ist
Am 8. September 2026 hat Google Search Central eine Übersicht zu regionalen Unterschieden in der Suche veröffentlicht. Sie listet sieben Funktionen für den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), die Türkei und Südafrika, jeweils mit Teilnahmebedingungen. Anlass sind die Anpassungen an den Digital Markets Act (DMA).
Wichtig für die Einordnung: Die Aggregator Unit und die Supplier Unit wurden im EWR am selben Tag ausgerollt. Andere Formate, etwa die Karussells auf Basis strukturierter Daten, gibt es schon seit Februar 2024; sie sind jetzt nur zentral beschrieben. Eine Dokumentation garantiert zudem keine Ausspielung bei jeder passenden Suchanfrage.
Google hat Aggregator Unit und Supplier Unit auf Suchanfragen zu lokalen Unternehmen erweitert. Zugelassene Verzeichnisse und Portale können dort per Datenfeed erscheinen, lokale Betriebe in der Supplier Unit ohne zusätzliche Daten.
Vier Suchformate, vier Zugangswege
Vergleichsdienste: die Aggregator Unit
Die Aggregator Unit ist für spezialisierte Such- und Vergleichsdienste vorgesehen, etwa Reiseportale, Metasuchmaschinen und Preisvergleiche. Sie erscheint bei Suchanfragen zu Hotels, Flügen, Fernverkehr und Produkten. Ein Klick führt zum jeweiligen Aggregator, nicht zum Hotel oder Händler.
Voraussetzung ist die Zulassung als Vertical Search Service, passende Inhalte und die Datenbereitstellung per Feed oder Echtzeit-Schnittstelle. Ein Onlineshop wird also nicht dadurch teilnahmeberechtigt, dass er seine Produkte zusätzlich mit Schema.org auszeichnet.
Direkte Anbieter: die Supplier Unit
Für direkte Anbieter wie einzelne Hotels, Airlines oder Händler gibt es eine eigene Einheit. Sie erscheint nur zusammen mit einer Aggregator Unit. Das wichtige Detail: Zusätzliche Daten über das hinaus, was Google beim Crawlen der Website findet, sind grundsätzlich nicht erforderlich. Vorhandene Feeds können die Ergebnisse ergänzen, sind aber keine Zugangsvoraussetzung. Ein Formular gibt es für diese Einheit nicht.
Für direkte Anbieter heißt das: erst den vorhandenen Auftritt und die tatsächliche Darstellung prüfen, nicht reflexartig eine neue Schnittstelle beauftragen.
Spezialisierte Informationsanbieter: das Ecosystem-Karussell
Das Ecosystem-Karussell ist für Suchanfragen zu Wetter, Sport, Finanzen und Übersetzungen im EWR vorgesehen. Google verlangt eine maßgebliche Informationsquelle oder einen spezialisierten Anbieter im jeweiligen Bereich; das Interesse wird über ein Formular bekundet. Neues strukturiertes Markup oder spezielle Feeds sind laut Google nicht nötig. Die Reihenfolge bestimmen Googles Ranking-Systeme.
Für einen Finanzdatenanbieter mit eigenen Kurs- und Marktdaten kann sich eine Teilnahmeprüfung lohnen. Aus einem allgemeinen Finanzbezug, etwa bei einer Beratungswebsite, würde ich keine Eignung ableiten.
Einträge einer einzelnen Website: Karussells per strukturierten Daten
Hier ist Markup tatsächlich Voraussetzung: ItemList in Kombination mit unterstützten Typen wie Product, LocalBusiness oder Event, auf einer Übersichtsseite mit mindestens drei Einträgen und eigenen Detailseiten. Auch hier gilt: Korrektes Markup garantiert keine Ausspielung. Wie strukturierte Daten darüber hinaus wirken, beschreibe ich in Schema.org für KI.
„Karussell" beschreibt eine Darstellungsform, keinen einheitlichen technischen Zugang. Zulassung, Crawling, Formular oder Markup: Jedes Format hat seinen eigenen Weg.
Warum diese Unterscheidung Geld spart
Ein Händler, der direkt verkauft und daneben Kaufberatung veröffentlicht, hat aus dieser Nachricht drei getrennte Fragen: Wird er in der Supplier Unit berücksichtigt? Eignen sich seine Kategorieseiten für ein Markup-Karussell? Wie präsent ist sein Sortiment bei Vergleichsdiensten, die die Aggregator Unit füllen? Das sind drei Aufgaben, kein gemeinsames Projekt „Neue Google-Karussells umsetzen".
Entscheidend ist nicht die Branche, sondern das konkrete Angebot, die Suchanfrage und die eigene Rolle im jeweiligen Format. Auch „vorerst beobachten" ist ein gutes Ergebnis: Wer eine unpassende Maßnahme begründet aussortiert, hat Budget geschützt.
Was Unternehmen jetzt prüfen sollten
1. Mit geschäftsrelevanten Suchanfragen beginnen
20 bis 30 Suchanfragen auswählen, die für Anfragen oder Umsatz zählen. In den relevanten Zielmärkten prüfen, getrennt nach Mobil und Desktop, und Datum, sichtbares Format und verlinkte Anbieter dokumentieren. Suchergebnisse variieren nach Ort, Gerät und Zeitpunkt; eine Stichprobe liefert trotzdem eine belastbare erste Antwort auf die Frage, ob das Thema die eigene Kundengewinnung überhaupt betrifft.
2. Teilnahmevoraussetzungen vor der Umsetzung festhalten
Pro relevantem Format ein kurzer Prüfvermerk: Zielmarkt, Anfragetyp, eigene Rolle, offizielle Voraussetzungen, offene Fragen. Eine Ampel reicht: erfüllt, teilweise erfüllt, nicht passend. So bekommt die IT einen konkreten Auftrag statt „Bitte für Googles neue Suche optimieren" - oder gar keinen.
3. Begrenzt testen statt flächendeckend umbauen
Bei einer echten Chance mit einer Kategorie, einem Angebot oder einem Markt starten. Vorher festlegen, was der Test beantworten soll: technische Eignung, Teilnahme, beobachtete Ausspielung oder zusätzliche qualifizierte Besuche.
4. Darstellung, Traffic und Geschäftsergebnis trennen
Die Search Console liefert Klicks, Impressionen und Positionen nach Seite, Land und Gerät. Die durchschnittliche Position misst allerdings keinen Bildschirmanteil: Ein Karussell zählt als eine Position, die sich alle Einträge teilen. Ein Traffic-Anstieg nach einer Änderung beweist allein noch keinen Effekt des Formats; Saison, Nachfrage und andere Änderungen gehören in die Auswertung.
Fazit
Interessant an Googles Dokumentation ist nicht ein weiterer Name für eine Suchfläche, sondern die unterschiedlichen Voraussetzungen dahinter. Die sinnvolle Reihenfolge: relevante Suchanfragen prüfen, das passende Format identifizieren, Teilnahmebedingungen klären, dann gezielt investieren. Mehr Sichtbarkeit beginnt hier nicht zwingend mit mehr Markup, sondern mit der Entscheidung, welche Fläche für das eigene Geschäft erreichbar und wirtschaftlich interessant ist.



