Was sich ändert - und was nicht
Google verpackt die Links in seinen Suchergebnissen in eine Umleitung unter google.com/goto. Rankings, Indexierung und das, was Nutzer sehen, bleiben unverändert. Betroffen sind Rank-Tracker, SERP-APIs und KI-Sichtbarkeits-Tools, die die Zieladresse bisher direkt aus der Ergebnisseite lesen konnten. Wer im Zeitraum Ende August bis Anfang September auffällige Sprünge in Share of Voice, Rankings oder KI-Zitaten sieht, sollte sie gegen die Search Console prüfen, bevor daraus Schlüsse gezogen werden.
Was bisher bekannt ist
Google testet die Umleitung seit Juli 2026 und hat den Rollout am 26. August gegenüber Barry Schwartz (Search Engine Roundtable) bestätigt. Derek Perkins vom Rank-Tracking-Anbieter Nozzle beobachtete zu diesem Zeitpunkt eine nahezu vollständige Abdeckung über mehrere Anbieter residenzieller IP-Adressen hinweg. Die Zieladresse steckt kodiert im Link und lässt sich nach Perkins nicht einfach dekodieren - Tools müssen jeder Umleitung einzeln folgen. HEAD-Requests werden dabei blockiert. Nozzle beziffert den Aufwand für einen Ranking-Check über fünf Ergebnisseiten auf 500 bis 1.000 zusätzliche HTTP-Requests.
Laut GrowByData betrifft die Umleitung organische Ergebnisse, People-Also-Ask-Links und die Quellenangaben in AI Overviews gleichermaßen.
Googles einzige Stellungnahme verweist allgemein auf technische Maßnahmen gegen „sich wandelnde Formen von Missbrauch". Scraper, Rank-Tracker oder KI-Anbieter hat Google nicht genannt. Zu Referrer-Daten, Analytics-Auswirkungen und einem Abschluss des Rollouts gibt es keine Aussage.
Ein dokumentierter Messfehler
Wie sich das auf Reporting auswirken kann, hat GrowByData mit Daten aus dem eigenen Tool offengelegt: Der Share of Voice von YouTube, im August stabil bei 13 bis 15 Prozent, fiel vom 27. August bis 1. September auf nahezu null - weil die umgeleiteten Links nicht mehr YouTube zugeordnet wurden. Im selben Zeitraum stieg der gemessene Anteil von google.com an AI-Overview-Zitaten von üblicherweise 13 bis 16 auf bis zu 28 bis 30 Prozent. Mit dem Fix am 2. September normalisierten sich die Werte.
Das ist die Auswertung eines einzelnen Anbieters, keine Branchenstatistik. Sie zeigt aber das Muster, auf das man in jedem Tool achten sollte: Eine Domain verschwindet scheinbar, während google.com plötzlich als Quelle zulegt.
Wie die großen Tools reagiert haben
Semrush erklärte am 1. September, nicht betroffen zu sein; man habe die Änderung früh erkannt. Ahrefs und Moz geben nach Angaben von Practical Ecommerce an, die Tests ebenfalls erkannt und das Problem gelöst zu haben. Für die meisten anderen Anbieter gibt es keine öffentliche Aussage.
Fehlende Fehlermeldungen sind kein Beleg für saubere Daten. Die Auflösung jedes einzelnen Links kostet Rechenzeit und Geld. Wie Anbieter das langfristig abfangen - über seltenere Aktualisierung, geringere Tiefe oder höhere Preise -, wird sich erst zeigen.
Und GA4? Vermutlich Entwarnung, aber ungeprüft
Für die Traffic-Zuordnung in GA4 gibt es bislang keinen belegten Effekt. Die Umleitung bleibt auf einer Google-Domain, Browser übermitteln bei Google-Klicks ohnehin nur den Ursprung (google.com) als Referrer. Organischer Traffic sollte daher weiter als google / organic erscheinen. Veröffentlichte Messungen dazu gibt es allerdings noch nicht.
Die pragmatische Prüfung: Search-Console-Klicks und GA4-Sitzungen aus google / organic für August und September nebeneinanderlegen. Bleibt das Verhältnis stabil, ist das Thema erledigt. Verschiebt es sich ab dem 26. August spürbar zugunsten von Direct, lohnt eine genauere Analyse. Die Search Console ist hier die Referenz, weil sie Klicks auf Googles Seite zählt und von der Umleitung unabhängig ist.
Der blinde Fleck bei KI-Zitaten
Relevanter als GA4 ist ein anderer Effekt: KI-Systeme, die für aktuelle Antworten auf Google-Ergebnisse zugreifen, übernehmen teils die goto-Adresse als Quellenlink, statt sie aufzulösen. Die Marke wird dann in der Antwort genannt und verlinkt, aber ein Monitoring-Tool, das nach der eigenen Domain sucht, findet sie nicht. Wer Zitationshäufigkeit als GEO-Kennzahl nutzt, etwa über ein festes Prompt-Set, sollte prüfen, ob sein Tool auch Nennungen hinter google.com-Links erfasst.
Einordnung: ein Muster, kein Einzelfall
Die Umleitung reiht sich in eine Serie von Schritten ein, mit denen Google das automatisierte Auslesen seiner Ergebnisseiten verteuert:
- September 2025: Google stellt den Parameter
&num=100ein. Für die Top 100 sind seitdem zehn Abrufe statt einem nötig. - August 2026: goto-Umleitung mit nahezu vollständiger Abdeckung.
Die Richtung ist klar: Die Daten, auf denen externe SEO- und GEO-Tools beruhen, werden teurer und unzuverlässiger. Googles eigene Daten in der Search Console bleiben dagegen verfügbar. Für Enterprise-Reporting heißt das, die eigenen Zahlen stärker auf First-Party-Daten zu stützen und Drittanbieter-Werte als Schätzung zu behandeln.
Was Teams jetzt tun sollten
1. Auffälligkeiten im Zeitraum 26. August bis Anfang September prüfen
Sprünge in Share of Voice, Rankings oder KI-Zitaten aus diesem Fenster gegen die Search Console abgleichen. Reports, die in dieser Zeit an Management oder Kunden gingen, gegebenenfalls mit einem Hinweis versehen.
2. Den Tool-Anbieter direkt fragen
Drei Fragen genügen: Ab wann wurde die Umleitung aufgelöst? Wurden betroffene Daten nachträglich korrigiert? Ändern sich dadurch Aktualisierungsrhythmus, Keyword-Kontingent oder Preis?
3. GSC und GA4 als Baseline nebeneinanderlegen
Das Verhältnis von Search-Console-Klicks zu organischen GA4-Sitzungen einmal für August und September dokumentieren. Das kostet eine Stunde und schafft Klarheit für die nächste Änderung dieser Art. Wie sich die KI-Reports der Search Console dabei einordnen lassen, habe ich separat beschrieben.
4. KI-Monitoring auf goto-Links testen
Stichprobenartig prüfen, ob KI-Antworten mit Nennung der eigenen Marke im Tool als Zitat erscheinen. Wenn nicht, liegt das Problem womöglich im Tracking und nicht in der Sichtbarkeit.
Wo Google schweigt
Google hat weder einen globalen Abschluss des Rollouts bestätigt noch gesagt, ob weitere Ergebnistypen folgen. Ebenso offen ist, ob Google über die Umleitung zusätzliche Daten erhebt. Hinweise darauf gibt es nicht; solange Google schweigt, bleibt es eine offene Frage und kein belegtes Risiko.
Fazit
Die goto-Umleitung ändert nichts an der Sichtbarkeit einer Website, wohl aber an der Verlässlichkeit der Werkzeuge, mit denen sie gemessen wird. Wer Rankings, Share of Voice und KI-Zitate ausschließlich über Drittanbieter-Tools berichtet, sollte die Search Console als Referenz fest ins Reporting einbauen. Kurzfristig reicht ein Abgleich des Zeitraums Ende August bis Anfang September und eine klare Antwort des eigenen Tool-Anbieters.
GrowByData · Practical Ecommerce, 31. August 2026 · Suso Digital · SEO Handbook (mit Verweisen auf Search Engine Roundtable und Search Engine Land)



